Aktivität der Figuren

 

 

Die Stärke einer Figur wird bekanntlich in Bauerneinheiten bemessen. Läufer oder Springer sind etwa drei Bauern wert, ein Turm entspricht einer Leichtfigur plus zwei Bauern, und die Dame ist ungefähr so stark wie zwei Türme oder drei Leichtfiguren.
Diese Materialverhältnisse muss der Schachspieler immer berücksichtigen, wenn er Abtäusche und taktische Operationen durchführt.
Was für Faktoren beeinflussen die Stärke einer Figur? Wodurch wird sie 'gut', 'aktiv' , 'stark'- oder umgekehrt, 'schlecht', 'passiv', 'schwach'?


Der,erste Faktor ist die Angriffskapazität einer Figur, d.h. die Anzahl der Felder, die sie kontrolliert. Unter diesem Gesichtspunkt befindet sich die günstigste Stellung für eine Figur im Zentrum. Ein Springer beispielsweise  kontrolliert acht Felder, wenn er in der Brettmitte steht, am Rand oder in der Ecke dagegen nur vier bzw. zwei.
Fazit: Je mehr freie Felder eine Figur zur Verfügung hat, desto "stärker" ist sie!
Der zweite Faktor ist ihre Sicherheit: je weniger anfällig, desto stärker ist sie.
Der dritte Faktor ist die Entfernung einer Figur zum gegnerischen Lager. Je näher eine Figur an den feindlichen Kräften steht, desto mehr taktische Drohungen kann sie schaffen und ist daher "stärker"!
Der vierte Faktor ist die Beweglichkeit einer Figur: je schneller man sie von einem Flügel auf den anderen überführen kann, desto "stärker" ist sie!

Eine  Stellung bezeichnet man als 'harmonisch', wenn die Figuren oder Bauern sich nicht gegenseitig behindern und wenn jede einzelne Figur eine wichtige Funktion in dem strategischen oder taktischen Plan erfüllt. Vollständige Harmonie in einer praktischen Partie zu erreichen ist sehr schwer (und in den meisten Fällen auch nicht möglich), anstreben sollte man sie allerdings immer.

 

 

 

Weiß hat den perfekt geschützten König. Seine Türme besetzen die offenen Linien und können leicht zum Angriff am Königsflügel überführt werden. Der Springer hat ein ausgezeichnetes Feld im Zentrum erobert und drückt auf die gegnerische Stellung. Der Läufer zielt auf der langen Diagonalen in Richtung schwarzer König. Die Dame befindet sich in einer Zone, die von den gegnerischen Leichtfiguren nicht erreicht werden kann, und beäugt von dort gleichzeitig beide Flanken - Damenflügel und Königsflügel. Die weißen Kräfte sind wohl koordiniert - die Türme decken sich gegenseitig, drücken auf zwei angrenzenden Linien und stützen den Springer, Läufer und Dame können auf der Diagonalen b1-h7 schnell eine Batterie gegen den König bilden, und die Bauern stehen den Figuren nicht im Wege, die Konfiguration weist keine Mängel auf.
Im Vergleich dazu stehen die schwarzen Figuren miserabel. Der König steht unter Beschuss der weißen Figuren (Springer, Läufer und Dame), sein Bauernschutz ist durch den Zug h6 geschwächt, beide Türme und Läufer haben noch nicht ins Spiel eingegriffen, weil sie durch die eigenen Bauern behindert werden. Weiß verfügt über enormen Vorteil, und zum Sieg fehlen ihm nur noch wenige Züge.

Und nun zu einer praktischeren Frage:
Wie lässt sich erreichen, dass es in der eigenen Stellung mehr 'gute' Figuren als 'schlechte' gibt - und das Gegenteil beim Gegner?
Der Gegner wird immer versuchen zu verhindern, dass sie alle ihre Figuren in die bestmögliche Position bringen-logisch!
Beachten sie einfach die oben beschriebenen Punkte zur Verbesserung ihrer Stellung: Bauernstellung; schwache Felder/schwache Punkte; Vorposten; Überdeckung; offene Linien/Diagonalen!